Von den Selbstdarstellern und den Selbstzweiflern

Gedankenkarussell

Von den Selbstdarstellern und den Selbstzweiflern

 

Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen. Der Glaube an sich selbst wäre ja somit der Schlüssel zu allem. Wenn man an sich glaubt, dann ist kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch und kein Ziel unerreichbar. Ist ja großartig. Wenn also jemand an sich glaubt, dann liegt ihm die Welt zu Füßen. Erfolg, Reichtum und Glück kann man sich quasi wie im Supermarkt en masse aus dem Regal nehmen und seine weiteren Wünsche wie bei einer guten Fee in Auftrag geben.

„Frau Fee, Ihr Auftritt. Und bitte! Frau Fee? Hallo?“

 

Hm…..klappt scheinbar doch nicht so einfach. Nur warum ist das so? Warum scheint manchen einfach alles zu gelingen und anderen nicht? Was entscheidet letztendlich darüber, ob wir auf dem Siegertreppchen stehen, bei gleicher Leistung, gleichem Einsatz und dem gleichen Willen, es ganz nach oben zu schaffen? Ist es Glück? Zufall? Schicksal?

Wir alle kennen sie, diese Menschen die mit einem Selbstbewusstsein durch das Leben stolzieren, als wären sie die Krönung der Schöpfung. Die Menschen, die Bilder in ihren Sportwägen und von ihrer Yacht posten. Die „Mykonos ist das neue Ibiza Baby - Rock´n Roll - Was kostet die Welt-Typen“. Die bei denen der Begriff „Fremdschämen“ oft ganz neue Dimensionen annimmt und man sich oft die Frage stellt: „Das ist jetzt nicht ihr/sein ernst?“ 

Und dann gibt es noch diese anderen Menschen, die mit viel Potenzial, einem tollen Charakter und Empathie. Die Menschen, die man einfach mag, weil sie authentisch sind und nicht dauernd protzen. Aber genau letzteren fehlt leider sehr oft etwas Entscheidendes: Selbstsicherheit. 

In einer Welt die von selbstverliebten Darstellern gelenkt wird, gehen diese Menschen unter, denn sie drängen sich nicht mit aller Macht in die erste Reihe. Genau wie die erste Spezies sind sie nicht perfekt, aber sie sind sich dieser Tatsache bewusst und das lässt sie zweifeln. 

Sie hinterfragen sich, sie reflektieren und genau das ist der Grund warum sie oft scheitern, denn wer stehen bleibt, den überholen andere - vielleicht schlechtere und unfähigere Menschen, die weniger können als sie. Dies führt zu noch mehr Zweifeln und manchmal sogar über die Stufe der Enttäuschung, zu der Endstufe der Resignation. Sie geben sich auf, dabei hätten Sie alle Vorraussetzungen gehabt, ganz groß rauszukommen. 

Die Selbstdarsteller gehen ihren Weg, ohne Rücksicht auf Verluste. Mehr Schein als Sein, aber das fällt blöderweise den Wenigsten auf. Unsere Gesellschaft scheint blind geworden zu sein. Sie lässt sich lenken, wie ein verliebter Teenager, der eine rosa rote Brille trägt und die Wahrheit weder hören, noch sehen will. Sie feuert die Rampensäue an, sonnt sich im Glanz ihres Ruhmes und hat den innerlichen Wunsch genau so „fame“ zu sein wie sie, denn dem Anschein nach haben diese Menschen alles. Auch wenn die Selbstzweifler die Selbstdarsteller oftmals peinlich und einfach daneben finden, lauert tief in ihnen doch der Wunsch ein wenig mehr so zu sein wie sie. Selbstbewusst aufzutreten und keine Scham dabei zu verspüren auch mal in der ersten Reihe zu stehen, denn ihnen würde dieser Platz tatsächlich gehören. Menschen, die wirklich etwas leisten und die auch zu ihren Niederlagen und ihren Unsicherheiten stehen, denn das gehört nun mal zum Leben dazu. Sie fallen. Sie stehen wieder auf. Manchmal schnell und manchmal auch langsamer, weil die Kraft dazu fehlt. Sie verlieren den Mut, die Hoffnung und zweifeln an ihren Fähigkeiten, sie zeigen Schwäche aber genau das ist was von wahrer Stärke zeugt. 

Würde unsere Gesellschaft diesen Menschen mehr Aufmerksamkeit schenken und ihnen die Hand reichen wenn sie stürzen, würden die Selbstdarsteller ihre Bühne verlieren. 

Würden wir uns alle einfach trauen immer wir selbst zu sein, mit all den verdeckten Narben, den erlebten Niederlagen und unserer Imperfektion, dann würden wir aufhören die falschen Idole anzuhimmeln, den vermeintlich erfolgreichen nachzueifern und uns mit den Richtigen messen und vergleichen. Dann würde nicht ein Donald Trump Präsident des mächtigsten Landes werden und  gephotoshopte Models von den Titelseiten der Magazine lächeln. Doch um authentisch zu sein braucht es Mut. Lasst uns alle mutiger sein und die richtigen Menschen auf die Bühne holen. Vielleicht brauchen Sie einen kleinen Schubs um sich zu trauen, aber wenn sie erstmal oben stehen, dann füllen Sie den Raum mit Sein und der Schein wird uns nicht mehr blenden. 

About the Author

Saina Bayatpour

Saina Bayatpour

Schreiben war schon von klein auf ihre Passion, was sich auch in Ihrem Germanistik, Anglistik und Markt- Werbepsychologie Studium widerspiegelte.

Als CEO und Gründerin einiger Firmen versucht sie trotzdem ihrer Leidenschaft nachzukommen und schreibt daher in regelmäßigen Abständen ihre Kolumne „Gedankenkarussell“.

Themen der Kolumne: Das Leben mit all seinen Facetten, Überraschungen, Freuden und auch Problemen.